Kartoffelpuffer Info 1

Kartoffelpuffer sind ein Traditionsgericht der deutschen, böhmischen und österreichischen Küche. Je nach Region nennt man sie Erdäpfelpuffer, Reiberdatschi, Reibekuchen, Reibeplätzchen, Riwkooche, Kartoffelpfannkuchen oder Dätscher. Weitere der zahlreichen regionalen Bezeichnungen sind z.B. Rievkooche, Riwwes, Schepperlinge, Kröbbelche, Kribbelcher, Kräbbelcher, Hatscheln, Baggers, Flinsen, Klitscher, Fratzen, Bambis, Pickert, Dotsch, Pratsch, Krumber Schnietchen, Reibepuffer, Möder oder Pratschen.

Bei uns im Ruhrpott heissen sie seit jeher Reibekuchen (deshalb verwende ich im weiteren auch diese Bezeichnung). Unter Kartoffelpuffern verstand man hier eigentlich nur Kartoffelplätzchen, die – im Gegensatz zu Reibekuchen – aus gekochten, gepressten Kartoffeln hergestellt wurden. Aber egal welchen Namen sie auch haben, sie gehören auf jeden Fall zu meinen Leibgerichten. Zumindest dann, wenn sie hausgemacht sind!

Was also sind Reibekuchen? Sie bestehen vor allem aus geschälten rohen Kartoffeln, die zu einem (nicht zu feinen) faserigen Brei gerieben wurden, der – je nach Rezept – mit anderen Zutaten (Eiern, Mehl oder Haferflocken, Zwiebeln, Speckwürfeln, Gemüse, Magerquark, Buttermilch, Backpulver, Kräutern und Gewürzen usw.) vermengt werden. Dieser Teig wird dann portionsweise in reichlich heissem Fett zu kleinen Fladen ausgebacken. Insgesamt gibt es unzählige Rezeptvariationen. Dem Reibekuchen ähnlich sind die Schweizer Rösti, die allerdings ohne Mehl und Ei zubereitet werden.

Je nach Region werden Reibekuchen mit weiteren süssen oder herzhaften Zutaten zusammen gegessen. Weit verbreitet ist es, sie mit Apfelmus und/oder Zucker zu essen. Im Bergischen Land und im Rheinland werden sie auf reichlich gebuttertes Schwarzbrot gelegt und dazu Rüben‑ oder Apfelkraut gegessen. In Bayern nimmt man gerne auch Sauerkraut als Beilage, in Teilen des Saarlandes eine Suppe aus grünen Bohnen. Eine modernere Variante sind z.B. Reibekuchen mit Räucherlachs.

In früheren Zeiten standen Reibekuchen in vielen Gegenden regelmässig auf den Speiseplan. Kinder und Erwachsene liebten diese Speise. Mit dem Einzug einer leichteren und fettärmeren Küche wurden hausgemachte Reibekuchen jedoch mehr und mehr zu einer seltenen Spezialität und ein eher rarer Genuss. In vielen Regionen frönt man diesem fast nur noch in Schnellimbissen, auf der Kirmes, auf Weihnachtsmärkten oder Volksfesten. Doch Reibekuchen sind eine leckere Kartoffelvariation! Sie können sowohl süss als auch herzhaft sein und es wäre schade, sie nur dann zu verzehren, wenn sie als Fast-Food durch andere zubereitet werden.

Vorgebackene bzw. vorfritierte, tiefgefrorene Reibekuchen sind heute flächendeckend in Supermärkten erhältlich. Eine weitere – wie ich finde, abscheulich schmeckende – Alternative ist die Zubereitung mit Fertigteig aus Eimern. Allen diesen in Kühlabteilungen vorgehaltenen sogenannten Convenience-Food-Produkten werden in der Regel Konservierungsstoffe – meist in Form von Schwefel – sowie Geschmacksverstärker zugesetzt.

Dass muss ja nicht sein. Deshalb werde ich in den kommenden Tagen einige leckere Reibekuchen-Rezepte aus meiner Sammlung veröffentlichen, die zeigen wie leicht man diese schmackhaft selber zubereiten kann.

17.6.2007 16:08 von Mike B.
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